Montag, 16. März 2009

"Jeez. Doesn't Reed have any music past 1971?" - Reviews 09/09

Howdy!
Wie angekündigt leicht verspätet. Der Montag scheint sich so langsam als VÖ Datum einzuschleichen...
Übrigens gibt es H5W jetzt auch auf twitter. Hab mich angetwittert, sozusagen. Wer meinem gezwitscher lauscht, bekommt hier und da ein paar Infos zum Blog. Vorab die Titel der Woche, Wasserstandsmeldungen über den Fortschritt der aktuellen Episode etc...



Daredevil 116
– Marvel – Brubaker/ Aja, Gaudiana, Villarrubia

Boah, dieses Heft hat mich umgehauen! Hätte ich ein Wertungssystem, hier wäre eine 10/10, ohne mit der Wimper zu zucken. Brubakers Daredevil hat nach einer Schwächephase zu alter Stärke zurückgefunden. Der letzte Arc stand den gefeierten, ersten Heften seines Runs fast in nichts nach. And here it is! Sein bestes Heft an dieser Serie bislang.

Ein neuer Arc wird gestartet, auch wenn Bru seine Runs ja recht organisch gestaltet und einzelne Arcs nicht so exakt getrennt sind. In „RETURN OF THE KING“ geht es nun weder um Aragorn noch um Mr.Presley. Wilson Fisk betritt wieder die Bühne des MU. Dieses Heft klärt was denn der Kingpin so trieb in seiner Abwesenheit. Der Kingpin. Gefallener Boss der New Yorker Unterwelt. Alles verloren. Er tauchte in Europa unter, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er findet sogar privates Glück, doch die Geister seiner Vergangenheit lassen ihn nicht los. Wie sagt man so schön, you can run, but you can't hide.

Jeder kennt den Kingpin. Auch wenn er in letzter Zeit ja so gut wie gar nicht vor kam. Der Kingpin ist der Inbegriff des Mobsters. Er wurde immer schon gut geschrieben und das er so unverwechselbar ist liegt natürlich auch am außergewöhnlichen Design der Figur von John Romita sr. , der ihn entgegen aller Mafiosi Klischees entwarf. Der Kingpin ist für die Streetlevel Helden Spider-Man und Daredevil eine Nemesis und aus dem Pantheon Marvels Villains nicht wegzudenken. Brubaker fällt nun die undankbare Aufgabe zu, diesen ruchlosen Gangster, gewissenlosen Mörder, in das Geschehen zurück zu holen. Sein Schicksal soll den Leser berühren, aber er darf natürlich auch nicht zur Weichwurst werden. Brubaker löst das Meisterhaft. Der Charakter bleibt glaubwürdig, keine Wandlung vom Saulus zum Paulus, vielmehr ein Mann, der sein Handeln zwar in gewisser Weise bereut, aber nicht aus moralischen Gründen, sondern weil die Gewalt wie ein Boomerang immer zurückkommt. Sie trifft aber nicht ihn, sie trifft die Menschen in seiner Umgebung. Ein Mann wie Fisk, der sein ganzes Leben durch Gewalt lebte, kann dieser nicht entkommen, egal wo er sich versteckt. Sie holt ihn ein, sei es in Form innerer Dämonen oder Rache suchender Gangster.

Brubaker kommt hier ganz klar seine Erfahrung in diesem „Milieu“ zu gute. Ob nun als Autor von CRIMINAL und SLEEPER oder als „Experte“ für die Romanfiguren von Donald Westlake. Ich denke, es gibt keinen besseren für einen Job wie diesen. Bru schreibt einen glaubwürdigen Kingpin, dem man abnimmt, mal DER Gangsterboss gewesen zu sein. Als LeserIn verspürt man Sympathie für diesen Mann, aber man schließt in nicht in die Arme. Das ist eine schmale Gratwanderung, die gemeistert werden will. Bru benutzt Fisk auch als Narrator der Story und lässt uns so sehr tief in die Psyche dieses Mannes schauen.

Zu dem exzellent geschriebenen Script gesellt sich dann auch noch ein Artwork, was mich förmlich aus dem Sessel gehauen hat. David Aja hat die am besten illustrierte Daredevil Story seit langem abgeliefert. Schon die erste Seite mit dem 12 Panel Raster ist ein Knüller, zieht einen in die Geschichte und dann kommt ein geniales Splashpanel auf Seite zwei. Allein die zwei Seiten haben alles, was Comics und ihre spezielle Form des Storytellings ausmacht. Diese Qualität zieht sich durch das ganze Heft. Perfektes, packendes Storytelling, ein unglaubliches Gespür für die Situation. Aja trifft immer den Nagel auf den Kopf. Die Rohe Gewalt, die von Fisk ausgehen kann, oder die Panik die ihn erfasst, wenn ihn mal wieder seine inneren Dämonen heimsuchen. Aja schafft hier ruhige Storyseiten aber auch explosive Actionsequenzen. Eines der Highlights ist sicher Storyseite 10, die von ihrem Design und von der Art des Storytellings stark an Jim Sterankos Großtaten aus den 60ern erinnert. Phänomenal. Aja und Brubaker sind ein großartiges Team, dass mich schon an THE IMMORTAL IRON FIST überzeugte. Aja hat aber auch schon mit Bru an Daredevil gearbeitet. Die tolle #88 , „The Secret Life of Foggy Nelson“, geht auf seine Kappe.Die Inks von von Sefano Gaudiano, der ja fast schon den gesamten Run von Brubaker inkt, holen das Optimum aus Ajas Zeichnungen heraus und sorgen für einen konsistenten „Serienlook“. Nicht wegzudenken aus diesem Team ist Colorist Jose Villarrubia, kein Unbekannter und unter anderem schon tätig für Paul Pope, Bill Sinkiewicz, Jae Lee, Kaare Andrews etc.. Also alles auch Artists jenseits des Superhelden Mainstream Looks. Seine Farben hier passen zur Serie, sind aber schon etwas offensiver als es die von Matt Hollingsworth in der Regel sind. Grandioser Job. Alles in allem perfektes Artwork, zum Zunge schnalzen!

Unbedingt mal rein illern. Kann man auch gut als One Shot genießen, um mit dem Schicksal einem der berüchtigsten Marvel Baddies auf dem Laufenden zu bleiben.

preview auf ign.com


Killer of Demons 1
– Image – Yost/ Wegener, Pattison

Auf Killer of Demons habe ich mich schon 'ne Weile gefreut. Das Projekt ist schon eine gefühlte Ewigkeit angekündigt und sollte erst bei Viper Comics erscheinen und landete schließlich bei Image. Das ist für die Serie sicher gar nicht so schlecht, denn bei Image ist das Spotlight doch um einiges heller.
KOD ist die erste creator owned Arbeit von Chris Yost, bekannt für seine arbeiten am X-Men Franchise und an vielen animierten Marvel Filmchen und Serien. Sein Partner ist der ATOMIC ROBO Artist Scott Wegener.


SPOILER AHEAD!


Dave Sloan ist so der typische Stino. Allerdings wurde er von Gott ausgewählt, dessen Waffe zu sein im Kampf gegen die Horden des Bösen. Die Dämonen der Hölle weilen nämlich unter uns, Dave kann sie durch eine Gabe Gottes sehen. Mit Hilfe eines Engels ist er der Killer of Demons.
Allerdings kommt es Dave auch ein wenig komisch vor, dass nur er die Dämonen sehen kann. Und warum sind so viele seiner unsympathischen Kollegen Dämonen? Oder andere nervende Zeitgenossen? Ist er ein durchgeknallter Serienkiller oder wahrhaftig der Schlächter der Höllenbrut?

KOD ist eine ausgesprochene spaßige Angelegenheit. Dabei schreibt Chris Yost sein Script nie albern, sondern mit einer gekonnt dosierten Brise schwarzen Humors. Er seziert Alltagssituationen und zieht seinen Witz aus der trockenen Darstellung von Daves Wahrnehmung. Die Persiflage auf die Alltagskultur mit all ihren Banalitäten trifft voll ins Schwarze.

Dorthin trifft auch Chris Wegener mit seinem Artwork. Ich liebe den Kerl für seine Arbeit an ATOMIC ROBO und auch seine PUNISHER WAR JOURNAL Hefte fand ich genial. KOD hat eben dieses hohe Niveau. Und genau wie bei ATOMIC ROBO schafft er es, die Situationskomik des Scripts in seine Illustration zu übertragen. Die Kolorierung hat Ronda Pattison übernommen, die auch schon an AROMIC ROBO Wegeners Art gekonnt mit Farben versah. Für das Lettering und das Heftdesign ist der Magdeburger Thomas Mauer verantwortlich. Toller Job.

KOD ist eine 3 Hefte umfassende Mini. Vom Erfolg des Heftverkaufs hängt ab, ob es weitere Minis geben wird. Also, kauft die Hefte!

offizielle KOD seite
preview auf newsarama.com
scott wegeners blog
chris yost on myspace
tom mauers blog


New Avengers: The Reunion 1
– Marvel – McCann/ Lopez, Lopez, Rudini

NA: The Reunion ist sicher ein wenig davon entfernt, ein perfekter Comic zu sein, aber trotz allem hatte ich unglaublich viel Spaß beim Lesen. Jim McCann hatte zweifellos Freude an den Charakteren und diese Freude färbt auf den Leser ab.

Der Name ist vielleicht ein wenig irreführend, aber so ist dem Heft eine höhere Aufmerksamkeit gewiss, als hätte der Titel „Ronin & Mockingbird“ oder so gehießen. Damit habe ich kein Problem. McCann gibt uns eine flott gepacete Superhelden Story mit Secret Agent Flair. Mit allem was dazu gehört. Ein sexy Pärchen mit ordentlich Konfliktpotenzial, AIM Terroristen, verrückte Wissenschaftler, fliegende Autos, geheime Waffenlager etc.. Seine Charakterisierungen sind vortrefflich. Am Anfang geraten Clint Barton und Bucky Barnes aneinander und beleben so den alten Hawkeye/ Cap Zwist auf einer anderen Ebene neu. Dieses Wortduell ist hervorragend geschrieben und für mich das Highlight dieses Heftes. Da wird erstens der „neue“ Cap einmal mehr im MU verankert und andererseits funktioniert hier das Heft auch wirklich als NA Spin Off. Aber auch die Mockingbird/ Clint Beziehung ist gut geschrieben. Das Pacing ist nahezu Perfekt, keine Szene in die Länge gezogen, weder die Talking Heads noch die Actionszenen. Der Cliffhanger lässt dann auch ein tolles NA Spin Off hoffen. Sehr gut gefällt mir auch, dass McCann anscheinend die Entwicklungen/Bedrohungen aus SECRET WARRIORS einbaut.

Das Artwork von David (Pencils) und Alvaro Lopez (Inks) und Dave Lanphear (Colos) ist eine ambivalente Geschichte. Auf der Haben Seite stehen ein exzellentes, butterweiches Storytelling und eine wirklich schicke Kolorierung. Man ist sofort im Banne der Geschichte, kann dem Geschehen immer folgen und das Ganze ist auch sehr tight. Aber die Gesichter sind stellenweise doch misslungen. Und vor allem in Szenen, in denen die Gesichter das A und O sind. So ist die Clint/Cap Szene in dieser Hinsicht ganz schön versaut. Auch auf Seiten, wo die Gesichter richtig gut aussehen, ist die Mimik dann das Manko. Und Clint sieht stellenweise auch viel zu jung aus, mehr wie ein Young Avenger. Diese Punkte fallen negativ auf, der positive Eindruck überwiegt aber bei weitem! Das neue Kostüm von Mockingbird gefällt mir auch sehr gut. So ein neuer Zwirn ist ja immer ein Thema für Fanboys. Dieses Neue funktioniert ausgesprochen gut, passt hervorragend zu dem Spionage Background der Figur. So muss Bobby jetzt nicht mehr in Hot Pants durch dunkle Gassen huschen. Die Brille ersetzt auch gut die Domino/Butterfly Maske, für mich immer noch das Highlight des alten Fummels.

Die Wiederbelebung von Mockingbird halte ich für sehr gelungen, zum einen ist sie den jüngeren nicht so geläufig und zum anderen haben Fanboys, die auf eine längere Fanvergangenheit zurückschauen, einen beliebten Charakter wieder, der alles andere als Over Used war und auch hervorragend in die neue Marvel Welt passt. Das erste Heft der Mini macht dazu einen sehr gekonnten Eindruck und scheint mir eine gute Grundlage für eine neue Erdung der Figur.

Im übrigen startet NA: The Reunion zusammen mit FF: Dark Reign den Reigen der Dark Reign Minis. Wenn die, die noch ausstehen, genauso viel versprechend beginnen wie die Beiden, lasse ich mich von Marvel gerne weiter ausnehmen.

preview auf ign.com


Spider-Man/ Human Torch: Bahia de los Muertos – Marvel – Beland/ Doe

Kann sich noch jemand an das Fantastic Four One Shot ISLA DE LA MUERTE erinnern? Hier liefert das Kreativteam, dass dieses spaßige Heft schuf quasi ein Sequel. Nur eben mit einem Team Up, das man nur als Fan Pleaser bezeichnen kann. Das letzte Spotlight auf diese Beziehung war Dan Slotts fantastische SPIDER-MAN/HUMAN TORCH Mini. Jeder, dem diese Superhelden Perle gefiel, wird auf jeden Fall an diesem Heft seinen Spaß haben.

Johnny Storm und Spidey wollen sich ein schönes Wochenende im Baxter Building machen. Die anderen Fantastics sind übers WE in der Negativ Zone und machen da irgendwelchen Kram. Zeit für ein lässiges Single Wochenende mit Pizza und Videospielen. Dann erreicht aber ein Notruf aus Puerto Rico die beiden. Es wird um die Hilfe der FF gebeten, ein Monster treibt sein Unwesen. Also macht sich unser Duo auf den Weg....

Tom Beland hat ein sehr schönes, unterhaltsames Heft geschrieben. Man darf keine komplexen Plots und verzwickte Twists erwarten. Bahia de los Muertos ist eine leichtherzige Story, die voll und ganz auf die beiden Hauptdarsteller zugeschnitten ist. Beland schreibt die Beiden ganz hervorragend, mit viel Witz und Gespür für die Charaktere. Es macht unglaublich viel Spaß dieses Heft zu lesen, wenn man denn mit Spider-Man und/oder Johnny Storm etwas anfangen kann. So ein leichtherzigen One Shot finde ich in Zeiten der im allgemeinen doch recht düsteren Stories sehr wertvoll. Man muss auch kein Wissen um aktuelle Kontinuität mitbringen, um dieses Heft zu verstehen. Das heißt aber nicht, das Beland sich mit den Figuren und deren Geschichte nicht auskennt. Um die Figuren so hervorragend zu charakterisieren, muss man schon Kenntnis von ihnen haben. So ganz nebenbei schüttelt Beland dann auch noch ein Ass in Form eines alten FF Gegners aus dem Ärmel. Dieser wurde schon seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt und die Wiedersehensfreude war groß!

Das Artwork von Juan Doe, den meisten wohl von seinen Coverarbeiten ein Begriff, ist sicher nicht jedermanns Sache. Wenn man aber auf etwas ausgefallenere Artworks jenseits des Superhelden Mainstreams steht, wird man die helle Freude daran haben. Juan Doe trifft mit seiner Art voll und ganz den Kern der Story. Das passt perfekt und ist in sich sehr stimmig. Besonders hervorheben möchte ich die tolle Kolorierung.

Es soll ja auch Leute geben, die Spider-Man seit dem Reboot ignorieren. Nun, auch für diese Fangruppe ist das Heft bestens geeignet, denn BND/OMD spielen hier keine Rolle.

preview auf comixoligy.com


Jersey Gods 2 – Image – Brunswick/ McDaid, Rosenberg

Der Name Glen Brunswick klingelte mir noch in den Ohren wegen der fantastischen Mini KILLING GIRL, die ebenfalls bei Image erschien. JERSEY GODS fand ich zwar vom Pítch nicht so spannend, aber Brunswick hatte bei mir eben durch KILLING GIRL genug Kredit. Das erste Heft fand ich dann auch ganz solide. Nur so richtig zünden wollte es noch nicht, die Mischung war auch etwas ungewöhnlich.

Die eigentliche Heldin ist die Angestellte Zoe. Die lebt in Jersey und träumt von der großen Stadt, ein typisches Jersey Girl eben. Dann tauchen aber plötzlich „Götter“ auf, die sich in einer Mall prügeln. Dies Götter erinnern an Kirbys NEW GODS oder an die ETERNALS. Zoe gerät dazwischen und zwischen ihr und dem Gott Barock scheint ein wenig zu funken.

Brunswick hat da ein nettes Szenario geschaffen, das mich beim zweiten Heft nun auch überzeugt hat. Diese ganze Götter-die-durchs-Weltall-düsen Sache ist herrlich cheesy und Brunswick verbeugt sich augenzwinkernt vor den großen Vorbildern, verleiht seinen Göttern aber auch „personality“. Der Twist mit Jersey Girl Zoe lockert das Setting entsprechend auf. Brunswick wechselt auch gekonnt die Narrative, was dem Lesefluss und den Charakterisierungen zu gute kommt.

Das Artwork stammt vom Briten Dan McDaid, ein noch relativ junger Zeichner der seit ein paar Jahren als Profi arbeitet. Sein Artwork passt perfekt zur Story, kommt es einem doch vor wie eine Mischung aus Jack Kirby und Darwyn Cooke. Große Namen, die ich auch nicht einfach so in den Ring werfe. Das Artwork gefällt mir ausgezeichnet und mit ein wenig mehr Routine kann McDaid ein ganz großer werden. Für diesen Stil könnte es insgesamt ein wenig tighter ausfallen. Die Kolorierung von Rachelle Rosenberg trifft nicht 100%ig meinen Geschmack, ist aber professionell erstellt.

Brunswick und McDaid haben da was Feines geschaffen und ich hänge da jetzt auch gut am Haken. Besonders gefallen mir diese Kleinigkeiten, die man überall entdecken kann, die Liebe für das Detail und der dezente Witz von Brunswick, der von McDaid hervorragend übertragen wird. Als Zugabe erhält man in diesem Heft noch ein schickes Cover von Darwyn Cooke, eine Leserbriefseite und zwei Pin Ups verschiedener Künstler. Es gibt übrigens auch ein Blog von Hauptcharakter Zoe als virales Marketing, den Link findet ihr unten.

preview auf comixology.com
"zoe's blog"
offizieller jersey gods blog
dan mcdaids seite
rachelle rosenbergs seite

Montag, 9. März 2009

"Just some aliens phazing between dimensions..." - Reviews 08/09


New Avengers #50
– Marvel – Bendis/ Tan, Banning, Ponsor

Ich bin es eigentlich leid, ständig den Preis heranzuziehen und mich darüber zu beschweren. Allerdings ist NA#50 der bis jetz wirklich dreisteste Preisspiralendreher. 4.99 $ pro Heft ist schon eine ganz schöne Hausnummer. Nun hat ja THOR 600 den gleichen Preis gehabt, rechtfertigte das aber mit satten 42 Storyseiten, zwei Back Up Stories, Reprints und Covergallerie. Bei NA#50 ist nicht mal der Versuch einer Rechtfertigung vorhanden. Die Hauptstory umfasst 37 Seiten. Das wars. Kein Editorial, keine Back Ups, nichts. Fehlanzeige. Zwar geben sich die Artists die Klinke in die Hand, aber das alleine ist mir zu wenig für diesen Preis. Ich kann da Marvel absolut überhaupt nicht nachvollziehen. Dieses Heft wird sich sowieso wie geschnitten Bort verkaufen, hat es da Marvel wirklich nötig, diesen 1 Dollar draufzuschlagen? Was bleibt denen davon übrig? Die Hälfte? Lohnen sich überschlagene 70.000 Dollar mehr, um die negativen Reaktionen zu rechtfertigen? Oder will man so besser begreifbar machen, warum normale Hefte nun auch 3.99 kosten? Ich kann es mir nicht erklären.



And now for something completely different: Der Inhalt!!! Bendis schreibt seine Avengers konsequent weiter. Die Prämisse ist klar. Waren unsere Rächer schon in der Post Civil War Welt Outlaws, so sind sie nun so richtig Gejagte. Dieses Team könnte nämlich Norman Osborn und seinen Plänen am ehesten in Quere kommen, zumal sie allen Grund haben, angepisst zu sein, nutzen Osborns Dark Avengers schließlich Trademarks von New Yorks finest, wobei ich nicht das NYPD meine. Die NA suchen also die Konfrontation mit Osborns Schergen...
Das Heft bekommt dann einen Twist, den man nicht unbedingt erwartet.

Bendis legt eine ordentliche Milestone Issue vor. Handlungen und Charaktere werden entwickelt, es gibt Superhelden Catchen und eine guten Cliffhanger. Das ganze ist sehr stark in den Status Quo eingebettet und wirkt dadurch sehr koheränt, wenn man denn nun das 616er ausgebiegig verfolgt. Es gibt auch eine Verknüpfung mit DARK AVENGERS #2, die aber mMn nicht 100% schlüssig ist.
Sehr gut gefallen haben mir vor allem Hawkeye, Spider-Woman und Mockingbird. Da merkt man Bendis förmlich die Freude an den Charakteren an. Das Dialoge seine große Stärke sind, ist ja nun auch kein Geheimnis. Positiv überrascht bin ich auch von Ms.Marvel. Die Wandlung von Starks Poster Bitch zu einem sympathischen Member der NA ist glaubwürdig. Und so hat das Team nun auch wieder einen Heavy Hitter, wenn man Wolverine und Cap mal weglässt. Und so ein Powerhouse hat das Team auch bitter nötig. Ihr merkt an meinem Nerd Talk, dass ich NA durchaus durch die Fanbrille betrachte und mir das Team Roster dementsprechend wichtig ist.

Die Handlung und das Script von NA#50 haben mich also überzeugt. Das Artwork von Billy Tan kann das leider nicht. Er hat seine Momente und manche Panels oder Seiten sehen auch toll aus, aber stellenweise greift er auch ganz schön daneben. Diese Entwicklung finde ich auch sehr merkwürdig, da er mir an UNCANNY X-MEN und auch z.b. an NA#46 sehr gut gefiel, beim letzteren sogar mit gleichem Inker und Coloristen. Aber hier funktioniert es nicht so gut. Für jemanden, der auch einen naturalistischen Ansatz hat, zeigt Mr.Tan hier auch sehr viele anatomische und perspektivische Unzulänglichleiten. Allerdings mecker ich hier auf einem hohem Niveau! Das Artwork führt durch die Story und ist auch professionell. Die Inks von Matt Banning sind ok, könnten aber für meinen Geschmack ein wenig fetter sein und auch mehr Tiefe einbringen, die Farben von Justin Ponsor sind ebenfalls ganz gut. Von einen Flagship Title wie NA erwarte ich aber mehr. Rettung ist aber in Sicht. Chris Bachalo und Stuart Immonen werden Tan ablösen, wobei Stuart Immonen dann fester Artist wird. Eine gute Wahl, wie ich finde. Toller Artist, pünktlich obendrein. Die Gast Artists, die jeweils ein bis zwei Seiten des Kampfes illustrieren, lesen sich dann wie das „Who is Who?“ der Marvel Artists. Hitch, Mcniven, Lopez, Aja, Gaydos, Yu, Epting, Maleev und Horn. Für mein Empfinden passt da nur Greg Horn nicht rein, mit dessen Art ich wirklich gar nichts anfangen kann. An Covern machmal ganz hübsch, als Interior für mich aber unerträglich. Dafür sind die anderen Beiträge sehr gelungen und stellenweise richtig lecker!
Diese Seiten entschädigen auch für den Rest mehr als ausreichend.

Wer jetzt aufgrund meiner Kritik denkt, NA #50 lohnt sich nicht, hat es falsch verstanden. Ich hatte großen Spaß an dem Heft und genieße den Dark Reign Status und die Verwicklungen die sich ergeben, sehr. Für 5 Dollar erwarte ich an Marvels Flagship aber auch ein bisschen mehr.

preview auf newsarama.com
preview von gastartists auf ign.com


Captain America 47 – Marvel – Brubaker / Guice, D'Armata

Das letzte Heft, das von dieser exzellenten Serie im Rahmen dieses Blogs ausführlich besprochen wurde, war Ausgabe 43. Höchste Zeit also für einen Blick auf Brubakers Schätzchen.

Nach den epochalen #1-42 gönnt Brubaker uns also etwas kürzere Storyarcs. Die Stimmung hat er beibehalten, aber die Prämisse ist eine andere. James „Bucky“ Barnes IST Captain America. Es sind große Fußstapfen, in die er da passen muss, aber er stellt sich der Herausfroderung. Und er scheint dem auch gewachsen. Dennoch, ein Leben als Killer der Sowjetunion hinterlässt Leichen im Keller. Diese Vergangenheit holt Captain ein. Er muss sich seiner Vergangenheit stellen, der Verbrechen die er begangen hat und seinem Gewissen. Das er nun natürlich „auf“ der richtigen Seite steht, wird nie in Frage gestellt . Sehr angenehm empfinde ich, dass Bru hier den Mythos seiner Figur voll ausnutzt und uns so mit Namor einen plausiblen, sehr interessanten Gefährten für Cap aus dem Hut zaubert.

Hatte ich bei den Heften 43-44 noch das Gefühl, Bru fällt nicht mehr so viel ein und er tritt ein wenig auf der Stelle, lösen sich spätestens hier diese Befürchtungen auf. Klar, so wirklich frisch wirkt das Szenario, oder besser die Stimmung, nicht. An dieser düstereren, drückenden Grundstimmung hat er nicht viel verändert. Aber die Story nimmt Fahrt auf und spätestens der Cliffhanger dieser Ausgabe erreicht wieder Qualitäten früherer Hefte dieser Serie. Das er seinen Helden auch immer mehr wachsen lässt, ist nicht nur glaubwürdig, logisch und konsequent, es macht auch unheimlich viel Spaß bei dieser Entwicklung Zeuge zu sein. Das man hier ein Wiedersehen mit dem „Winter Soldier“ hat, wertet für mich die Geschichte zusätzlich auf. Der ursprüngliche Winter Soldier war nicht nur einer der coolsten Charaktere der letzten Zeit, er hatte auch das am besten designte Outfit.

Das Artwork dieser Issue stammt von Butch Giuce. Klar, im Grunde ist das Steve Eptings Serie. Egal wer das zeichnet. Die Fill In Artists sind von den Redakteuren immer so ausgesucht, dass sie zu Epting passen und dank D'Armatas Farben hat man einen kosistenten Look. Guice hat ja schon ein paar Hefte gezeichnet und auch Epting schon geinkt. Er macht einen guten Job. Einige Kampfszenen sind spektakulär und zeigen gut die rohe Kraft und die Dynamik mit der James Barnes agiert. Man merkt auch, das er Erfahrungen als Inker hat. In der Regel sind Zeichner die sich selber Inken ja ein wenig sparsam mit dem Einsatz von Tinte. Nicht so Guice. Er verwendet fette Inks mit viel Schatten und sorgt damit für Tiefe und ein lebendiges Artwork. Sehr schön. Die Farben sind wie wie erwähnt auf dem gleichen Nivaeu wie immer an dieser Serie. Nämlich außerodentlich gut.

Nach von mir empfundener, kurzer Schwächephase hat CAPTAIN AMERICA zu alter Stärke zurückgefunden. Jetzt geht es ja auch in schnellen Schritte auf die Nummer 50 zu und ich bin gespannt, was uns da erwartet. Ab der Nummer 51 würde es dann ja auch mehr Hefte ohne Steve Rogers geben als mit, zumindest in diesem Volume. Das wäre wohl auch ein Novum. Und wer hätte gedacht, dass die Serie auch in der Gunst der KäuferInnen ohne den eigentliche Titelhelden so lange, so weit oben bleibt?

preview auf newsarama.com




X-Factor 12 – Kyle, Yost/ Crain

Als die Serie gepitcht wurde, hätte ich niemals gedacht, dass ich einmal so große Freunde an ihr haben würde. Dieses ganze Grim & Gritty ist nicht mein Ding, dazu noch die ganz Hieb und Stich und Biester Fraktion im Team? Hmm.... Fand ich nicht überzeugend.

Und siehe da, Craig Kyle und Chris Yost haben mich völlig überzeugt. Neben Peter Davids großartigem X-FACTOR bieten die Beiden die beste Team Serie der X Franchise. Ihre Plots sind gut entwickelt, die Charaktere scharf umrissen. Dazu haben sie im Verlauf der Serie ihr Roster elegant erweitert. Zu den ursprünglichen Teammates Wolverine, Warpath, X-23 und Wolfsbane gesellten sich im Laufe der 12 Hefte Archangel, Domino, Elixir und Vanisher dazu. Gerade die letzten Drei sind das Salz in der Suppe. Domino ist einfach ne coole Sau. Ein Fanboypleaser. Knarren, Kurven, Oneliner. Den Vanisher quasi zum Teammitglied zu machen, ist auch ein hervorragender Kniff. Und Elixir, der nun so gar nicht in diese Truppe passt, gefällt mir auch so richtig gut. Neben all diesen krassen Kaputniks ist er der einzig Normale. Dieses Team hat für mich derzeit das interessanteste Roster aller Marvel Teams. Die Mischung ist perfekt und die grandiose Charakterisierung von Kyle und Yost lässt dieses Team hell strahlen. Aber auch das Supporting Cast wirkt hier sehr vital und glaubwürdig. Das fängt bei Cyclops an und hört bei der Leper Queen auf. Gerade Cyclops ist hier so cool wie in keiner anderen Serie. Halt! In CABLE rockt Cykes auch die Hütte. Aber wenn man WOLVERINE:ORIGINS 33 gelesen hat, weiß man auch, wie sehr man Cyclops zerschreiben kann.

In diesem Heft fängt ein neuer Story Arc an. Die Leper Queen ist der Villain. Diese relativ neue Figur zu nutzen, halte ich für einen tollen Schachzug. Ein weiterer 90er Charakter wäre dann vielleicht doch zu viel gewesen. Die Leper Queen ist schön irre und bad ass. Teils ist sie sogar Narrator der Story, was zur düsteren Stimmung beiträgt und ihre Intentionen sehr gut verdeutlicht. Für LeserInnen mit X Interessen, die die Serie bisher ignorierten, bietet der neue Arc einen guten Einstiegspunkt. Das ist nicht ganz uninteressant, denn das nächste Kapitel in der MESSIAH Saga wird ein Crossover zwischen X-Force und CABLE sein und demnächst starten.
Man kommt auch ganz gut rein. Klar hat die Serie eine dichte Kontinuität, aber die Handlung ist für Neuleser verständlich. Das bei einer Teamserie nach 12 Heften schon einiges an Subplots passierte ist klar, sollte aber nicht abschrecken.

Das Artwork von Clayton Crain ist so eine Sache. Im Grunde finde ich es schon ganz schick. Es passt auch hervorragend zu dieser Serie. Ich sehe mich allerdings schnell satt an seinem Stil. Dafür reicht ein Heft aber nicht aus.

X-Force ist erneut eine starke Arbeit des Autorengespanns Craig Kyle und Chris Yost. Mir ist keine schwache Ausgabe in Erinnerung und von Heft zu Heft wird die Serie dichter.

preview auf cbr.com



Fear Agent 26 – Dark Horse – Remender/ Moore, Lucas, Loughridge

Jeder Mittwoch, der uns ein neues Fear Agent Heft beschert, ist für mich ein Festtag. Leider werden die Abstände der Festtage immer größer. Und das ist das Problem. Ich bin generell recht offen, wenn es um Delays geht. Die Qualität steht an erster Stelle. Aber gerade hier ärgert es mich doch. Nicht nur, weil Fear Agent eine meiner Favoriten ist und ich es kaum erwarten kann, neue Hefte in meinen gierigen Fingern zu halten. Das Pacing und der Inhalt der Geschichte machen es schwierig, stellenweise mehr als zwei Monate auf ein neues Heft zu warten und dann der Geschichte gebannt zu folgen, ohne vorher nochmal in das Heft davor gesschaut zu haben. Ganze 17 Seiten musste Tony Moore illustrieren. Das sollte doch auch in einem Monat oder in sechs Wochen zu schaffen sein. Es kann natürlich auch an Rick Remender liegen, aber Moore halte ich als Grund doch wahrscheinlicher.

Die Delays trüben also den Genuss. Davon abgesehen hat Fear Agent aber nach wie vor alles, was die Serie so grandios macht. Dreckige, absurde Gewalt, komplexe, durch Zeitreisen paradoxe Handlungen, dreckigen Südstaaten Slang und natürlich nach wie vor dieses herrlich trashige Sci-Fi Setting. Die Letzten Hefte waren ja mehr oder weniger Western, und durch die Delays kommt einen das wie eine Ewigkeit vor, aber am Ende waren es ja höchstens 60 Seiten. Der Cliffhanger beendet aber diesen Plot und Annie darf mal wieder Zunder geben....

Nun fehlt nach der Showdown dieses Arcs, der dann auch darüber entscheidet, wie man diesen denn nun einzuordnen hat. Gehen Remender einfach die Ideen aus, oder war der Genrewechsel wohl geplant? Ich fand den Arc bis jetzt sehr unterhaltsam, aber jetzt muss auch noch was kommen, damit er an die Qualität der anderen herankommt. Das soll aber nicht heißen, das Fear Agent im Mittelmaß herumdümpelt, wenn der Arc doch nicht mit einem Feuerwerk endet. Auch auf diesem Niveau ist die Serie erstklassige Unterhaltung.

Tony Moore ist natürlich eine Wucht. Ich gestehe, ich sehe Jerome Opena noch lieber and der Serie, aber Moore ist alles andere als zweite Wahl. Ich habe aber das Gefühl, das er hier ein wenig unter Zeitdruck stand. Nicht das die Seiten hingekliert aussehen, aber das Artwork wirkt nicht so tight wie an den ersten Volumes, was aber auch an Inker John Lucas liegen kann. Die Farben von Lee Loughridge sind mal wieder der Knüller. Fear Agent ist unter seinen tollen Arbeiten immer noch herausragend. Hier darf er sich richtig austoben.

Es gibt auch wieder eine Back Up Story. TALES OF THE FEAR AGENT ist eine tolle Tradition, auch wenn es auf Kosten der Seitenzahl der Hauptstory geht. Allerdings muss man wahrscheinlich dankbar sein, sonst hätte man vermutlich noch länger warten müssen. Die Geschichte von Gerry Duggan (Autor) und Allessandro Braglalini (Art) ist nicht schlecht, reicht aber nicht an die besten TOTFA Storys heran.

Als Trade wird sich dieser Arc sicher wesentlich besser lesen, aber TradeleserInnen entgeht hier das Heft als Gesamtkunstwerk. Cover und Backcover, Back up Story, Recap Seite und Leserbriefseiten, das alles auf tollem Papier in super Druckqualität für einen fairen Preis. Es gibt Momente, wo ich mich ein wenig ärgere, nicht aufs Trade gewartet zu haben. Fear Agent lässt aber mein Floppy-Liebhaber-Herz höher schlagen. So muss ein Heft präsentiert werden.

preview auf comixology.com
blog von allessandro bragalini mit preview der back up story



Umbrella Acadamy: Dallas #4 – Dark Horse – Way/ Ba, Stewart

Wo wir gerade bei perfekter Präsentation von Heften sind. Auch Umbrella Acadamy weiß als Gesamtkunstwerk „Heft“ zu überzeugen. Backcover, Recap- und Leserbriefseiten sind großartig, ebenso wie die Qualität von Papier und Druck. Das Cover hinterlässt bei mir aber einen faden Beigeschmack. Ist das ein coole Idee oder einfach „zu cool“? Smart ass cool? Ich kann mich nicht entscheiden, je länger ich das Cover betrachte, desto weniger clever halte ich Idee. Aber als Effekt im Comicshop sicher nicht verkehrt.

Wie stehts aber mit dem Inhalt. In Heft Nummer 4 bekommen wir eine flott gepacete Zuspitzung der Ereignisse. Das ganze ist durch die Zeitreisen gar nicht so einfach zu druchschauen, zumindest ging es mir so. Um den Knoten im Kopf zu lösen, werde ich mir wohl das ganze Vol. nochmals zu Gemüte führen müssen, was aber auch sehr unterhaltsam werden wird. Denn Way und Ba's Comic ist ein Highlight. Es stimmt einfach alles. Die Handlung ist originell, das Cast großartig Charakterisiert. Way hat immer ein paar Überraschungen parat. Diese wirken aber nie erzwungen. Gerade die Entwicklung um die beiden Auftragskiller Hazel und Cha überraschte mich und geht so ziemlich gegen alle Erzählkonventionen. Das kam sehr unerwartet und wirkte sehr erfrischend auf mich. Im Cliffhanger lässt er dann förmlich die Bombe platzen. Toller Cliffhanger!!!

Das Artwork ist einfach nur spektakulär! Gabriel Ba gefällt mir ausgezeichnet. Sein Stil ist einzigartig, mit sehr großem Wiedererkennungswert, sein Storytelling ausgereift, die Darstellung von Mimik sehr überzeugend und seine Splashpages hauen mich regelmäßig um.
Dave Stewart überzeugt einmal mehr mit einer fantastischen Colorierung.

preview auf cbr.com

Freitag, 6. März 2009

Deadline! Arrrrgghhhh!!!!

Sorry Folks, diese Woche wird es die Reviews etwas später geben als gewohnt. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich bin aber guter Dinge, dass ich spätestens am Sonntag die HIGH 5 poste. In der kommenden Woche wird es dann mit aller Wahrscheinlichkeit wieder etwas später, was dann aber nicht an mir liegt. Der Deutsche Zoll, bekannt für Gründlichkeit, pedantische Pflichterfüllung und Humorlosigkeit, hatte die Lieferung ganze zwei Tage am Wickel. Nun bekomme ich den Schwung frischer Hefte frühestens Montag.
Tja, so kanns gehen. Mal sind es betrunkene Jecken, die einfach mal die Welt mitsamt Diamond Paket sich drehen lassen, mal ist es der Zoll, der in seiner Funktion als Spaßbremse wieder mal ganze Arbeit leistet.
Ich hoffe, das H5W Extra zu MIDNIGHT NATION ist ein kleines Trostpflaster.
Achso. Geht WATCHMEN gucken. Großartiger Film! Wer etwas anderes sagt, schubst auch kleine Enten in den Teich!

Bis die Tage!

Montag, 2. März 2009

H5W Extra - MIDNIGHT NATION TPB

Midnight Nation TPB – Top Cow – JMS/ Frank, Sibal, Gorder, Milla

MIDNIGHT NATION ist eine 12 teilige Maxi Serie, die von 2000-2002 bei Top Cow erschien und nun in Form eines Trades in einer günstigen Form wieder uneingeschränkt zugänglich gemacht wurde.
Geschrieben wurde Midnight Nation vom damals in der Comic Welt noch relativ unbeflecktem Joseph Michael Stracynski, wegen der Unausprechlichkeit seines Namens für Amerikaner und der Abkürzungsfreudigkeit eben dieser, besser bekannt als JMS.

JMS hatte zu dieser Zeit schon seine Duftmarke in der Branche hinterlassen. Sein RISING STARS, von dem im übrigen bald eine Art Omnibus mit sämtlichen Material erscheint, war hochgelobt und kommerziell mehr als nur solide. Seine Fanboy credibility hatte JMS zu dieser Zeit aber noch seiner Arbeit an der preisgekrönten Sci-Fi TV Serie BABYLON 5 zu verdanken. Top Cow spendierte JMS nach dem Erfolg von RISING STARS ein eigenes Imprint. JOE'S COMICS war dann relativ kurzlebig. Erschienen sind dort eben MIDNIGHT NATION, die Fantasy Story DELICATE CREATURES und Gary Franks KIN. Zu der Zeit, als MIDNIGHT NATION erschien, begann JMS' Aufstieg zu einem der Superstars unter den Comicautoren. Im Jahr 2001 bekam er von Marvel das Angebot, AMAZING SPIDER-MAN zu schreiben. Gerade die ersten Hefte seines Runs, inklusive der eindrucksvollen 9-11 Ausgabe, gehören für mich mit zu dem Besten, was im nun fast 50 Jahre alten Spidey Franchise gedruckt wurde. Spätere Story Arcs an Marvels Flaggschiff riefen zwar starke Kontroversen unter den Fans hervor, JMS' siebenjähriger Run an ASM gilt aber dennoch als einer der ganz Großen. Aktuell schreibt er für das Haus der Ideen THOR und die Maxi THE TWELVE, für DC wird er in kürze einen Job an THE BRAVE AND THE BOLD antreten. Aufgrund seiner Aktivitäten für Hollywood, er war gerade sehr erfolgreich mit dem Drehbuch zu Clint Eastwoods THE CHANGELING ( DER FREMDE SOHN), scheint JMS nun weniger Zeit in seine Karriere als Comicautor investieren zu können und sich mehr dem lukrativeren Job des Script Lieferanten zu widmen.

Zum Inhalt. Den Plot von MIDNIGHT NATION zu umschreiben, ohne zu viel von der Story preiszugeben, ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Zu Beginn scheint JMS' uns eine Noir Crime Story mit Horrorelementen erzählen zu wollen. Recht schnell wird aber klar, dass er was völlig anderes im Schilde führt. Sein Charakter, Polizist David Grey, muss sich auf eine Reise begeben, um seine Seele zu retten. Diese Reise tritt er in einer Art Zwischenwelt an, in der all die gescheiterten Menschen, die durch das Raster der Gesellschaft fallen, existieren, unbemerkt von ihrer Umwelt. Aber nicht nur die Gescheiterten leben in dieser Welt, sondern auch „the Walkers“, gefährliche, seelenlose Kreaturen. Auf seiner Reise begleitet ihn die mysteriöse Laurel, von der wir nicht viel mehr wissen, als das sie sich verdammt gut auskennt. Für die Reise zu Fuß von L.A. nach NYC haben die Beiden ca. ein Jahr Zeit, bevor Davids Seele verloren geht. Welchen Gefahren muss sich das Paar stellen? Werden sie rechtzeitig in New York ankommen und was wird sie da erwarten? Welche Geheimnisse hat Laurel? .....

JMS' Story hat es wirklich in sich. Die ursprünglichen 12 Hefte sind knapp bemessen für das, was er zu erzählen hat. So ist am Ende eine äußerst kompakte Geschichte entstanden und es wirkt auch sehr erfrischend, das die Story eben nicht aufgeblasen wurde, denn vom Potenzial hätte MN auch sehr gut eine On Going werden können. So wird die eigentliche Reise recht knackig erzählt. JMS konzentriert sich dabei auf die Veränderung seines Charakters. Der Focus liegt aber auf dem Ende, welches einen tollen Höhepunkt der Story bietet. Das ist wirklich nochmal ein Herzschlagfinale, dessen Twists und Turns mir den Atem raubten und mich sehr begeisterten. Hat der erste Teil, also die Reise, beinahe ein hypnotische Wirkung auf mich gehabt, so ist der Showdown dann ein Page Turner. Der gesammelten Form kommt das Pacing dabei sehr entgegen. In einem Rutsch gelesen entfaltet MN seine geballte Kraft, die auch noch heute, nach fast zehn Jahren, sich nicht hinter aktuellen Comics verstecken braucht.

JMS bedient sich bei MN ausgebiebig an christlichen Mythologien. Engel, Teufel, Himmel, Hölle, das ganze Programm. So etwas kann extrem nerven und in die Hose gehen, gerade wenn man überzeugter Atheist ist und von dem ganzen Aberglauben und Mystik Mumpitz, der nunmal mit den Religionen einher geht, eher angewidert ist. Nun erzählt uns JMS aber eine Fantasy Story, und eben nicht den bebilderten WACHTURM. Damit kann ich nicht nur gut leben, ich muss auch zugeben, dass sich der reichhaltige Schatz an christlicher Mythologie hervorragend als Background für eine solche Geschichte eignet, gerade wenn ein gebildeter Mann wie JMS diese schreibt. Vielen ComicleserInnen dürfte ja bekannt sein, dass er gerne mystische Sachen schreibt und das das auch eine große Stärke von ihm ist, sei es so gefeiert wie bei THOR und eben bei MN oder auch so stark diskutiert wie der neue Origin Ansatz bei AMAZING SPIDER-MAN. Dieses Faible für Mythologien zieht sich wie ein roter Faden durch sein Comicwerk.

Aber nicht nur christliche Mythologien werden uns von JMS auf eine angenehme Art und Weise präsentiert. Auf einer gewissen Ebene liest man Gesallschaftskritik heraus, aber ohne einen nervenden, pädagogischen Zeigefinger. Gerade die Schilderungen von verschiedenen Menschen, denen David auf seiner Reise begegnet, warum sie eben durchs „Raster“ gefallen sind, kann ich nur als außerordentlich gelungen bezeichnen. Ebenso subtil verpackt sind die philosophischen Botschaften des Comics.

Außerordentlich gelungen ist auch das Artwork. Zeichner Gary Frank war zu diesem Zeitpunkt noch etwas von seinem Status als Star entfernt, das heißt aber nicht, das er entfernt war von der Qualität gegenwärtiger Arbeiten. Alle Trademarks, die Franks Arbeiten heute so spektakulär machen, sind schon vorhanden. Sei es die Fähigkeit, Mimik der Charaktere exzellent heraus zu arbeiten oder sie eben mit Hilfe seiner sehr ausgereiften Darstellung von Anatomie immer so darzustellen, das man sie gut unterscheiden kann. Eine weitere Frank'sche Spezialität ist das „Sichtbarmachen“ von Kleidung. Bei ihm sieht Kleidung, vor allem die hier natürlich nicht vorhandenen Superheldenkostüme, wirklich nach getragenen Textilien aus und nicht wie Bodypainting. Einzig sein Storytelling ist noch nicht ganz so ausgereift wie an gegenwärtigen Arbeiten. Einige Panels wirken auf mich ein wenig steif. Das ist aber nur eine Nuance.
Geinkt wurden die Pencils von Jason Gorder (#1-#5) und Jonathan Sibal (#6-#12). Beide haben einen tollen Job gemacht und beim Lesen fiel mir der Wechsel auch nicht auf und auch beim direkten Vergleich kann das geübte Auge bestenfalls sehr feine Unterschiede ausmachen. Beide Inker lassen Franks Zeichnungen jedenfalls optimal wirken. Sibal ist nun auch Langzeit Komplize von Frank und hat diesen z.b. auch an ACTION COMICS und SUPREME POWER geinkt. Die Colorierung hat Matt Milla übernommen. Auf Milla's Referenzliste stehen unter anderem ein Großteil der Hefte von JMS' Run an ASM, so zu Beispiel die CIVIL WAR Tie Ins oder auch BACK IN BLACK.
Der Colorierung merkt man am ehesten noch das Alter von MN an. Das soll nicht heißen, das sie schlecht aussieht. Im Gegenteil. Auch heute entfaltet die Colorierung noch eine tolle Wirkung und für die damalige Zeit ist sie ein Knüller. Nun hat sich aber gerade im Bereich der Colorierungen einiges getan in den letzten 8-10 Jahren.

Das Trade ist schön aufgemacht, enthält die Hefte 1-12, den One Shot PRECIOUS THINGS, ein Nachwort von JMS sowie alle Cover. Man bekommt also die volle Ladung für einen mehr als fairen Preis. Die Qualität des Paperbacks, also Druck, Papier, Bindung etc. machen einen hervorragenden Eindruck. Ursprünglich war auch ein preiswertes Hardcover in Übergröße angekündigt , allerdings hat Top Cow da noch ordentlich an der Preisspirale gedreht. Statt der ursprünglichen 34,99 $ kostet es nun satte 100,00 $.



Die Kollegen vom CHECKLIST COMICAST haben MIDNIGHT NATION in der Episode 34 besprochen. Hört euch an, was sie dazu zu sagen haben.

MIDNIGHT NATION im Onlineshop der Comic Combo Leipzig

Freitag, 27. Februar 2009

"Why doesn't anybody play parcheesi anymore?" - Reviews 07/09

Da ich die Hefte durch das Karnevalsfreudige Personal des Bonner Großhändlers und der dortigen Post nicht wie gewöhnlich am Freitag bekam, sondern erst am Dienstag, konnte ich die von mir angepeilte Deadline, den Donnerstag, für die Veröffentlichung der Reviews nicht ganz halten. Aber ich denke, Freitag Mittag ist dann auch ok. Gottseidank ist diese fürchterliche Karnevalszeit nun auch vorbei, und da ich nicht gerade in einer Hochburg dieses furchtbaren Brauchs lebe, habe ich davon auch wenig mitbekommen. Ich hoffe mal, die freundlichen BearbeiterInnen aus Bonn sind wieder auf dem Damm, so dass ich heute bereits den nächsten Stapel druckfrischer Heftchen in den Händen halten kann.
Viel Spaß mit den Reviews!



Noble Causes 39 – Image – Faerber / Cinar, Niese, Baake

Noble Causes war eine der Serien, die ich trotz guter Kritiken nie in meine Pull genommen habe. Aus verschiedenen Gründen, aber letztendlich, weil mein schließlich nicht alles pullen kann. Nummer 39 rutschte aus einem ganz besonderen Grund in mein Abofach. Ralph Niese steuerte für diese Ausgabe Inks und Colos bei, klar das ich das Heft nehme. Dazu später mehr.

Was ist Noble Causes? Jay Faerbers Creator Owned Serie könnte man als Image's Fantastic Four bezeichnen. Es geht also um eine Superhelden Familie, dabei liegt der Focus aber weniger auf den Kämpfen mit diversen Villains , sondern vielmehr auf den Beziehungen der Charaktere. Der Soap Anteil ist also recht hoch. Glaubt man nun den Freunden der Serie, so ist, wenn man solche Art von Superhelden Serien mag, Noble Causes eine der Besten dieser Art. Leider hat die Serie nicht so viele Anhäger und wird nun mit der Nummer 40 eingestellt.

Dieses Heft ist Teil eines Arcs, ich konnte aber auch ohne Vorwissen ganz gut genießen. Die Recap brachte mich auf den Stand der Dinge und auch die Charaktere wurden vorbildlich auf der Recabseite vorgestellt. Eine der Hauptpersonen, Celeste, erzählt von einem Vorfall, der sie in die 50er Jahre schleuderte. In dieser Zeit lernte sie ihre große Liebe kennen, den Superhelden Colonel Comet. Diese Story in den 50ern wird als Flashback, als Comic im Comic erzählt, was ein toller Kniff ist. Die letzten Seiten treiben das Hauptgeschehen, von dem man in diesem Heft nichts mitbekommt nochmal voran und münden in einen Cliffhanger, von dem ich glaube, das er Fans der Serie wohl die Kinnlade runterklappen lässt.

Jay Faerber ist ein toller Autor. Selbst bei diesem einem Heft spüre ich die Kraft seiner Serie. Die Flashback Szene ist hervorragend geschrieben und die Auflösung des Ganzen hat auch mich berührt, obwohl mir die Charaktere fremd sind. Das ist eine große Leistung. Serien mit hohem Soapanteil stehen und fallen mit der Gabe des Autors, seine Charaktere glaubwürdig in „Alltagssituationen“ zu zeigen und dennoch ein Superheldencomic mit dementsprechend flottem Pacing zu schreiben, denn es soll ja auch kein slice of life sein. Außerdem müssen Subplots über mehrere Arcs aufgebaut werden etc, etc... Das kann ich nun nicht beurteilen, aber Faerber hat mich doch am Haken. Ich werde wohl Noble Causes nachholen. Neben den normalen Trades gibt es auch die Möglichkeit der Noble Causes Archives, die im Stile der Marvel Essentials oder DC Showcase Bände sehr viel Inhalt für wenig Geld verfügbar machen.

Das Artwork von Yildiray Cinar (Pencils, Inks) und Jacob Baake (Farben) ist ok. Es führt gut durch die Geschichte, ist aber auch nicht gerade der Hingucker. Der Knüller ist aber die Flashback Sequenz und das Cover. Diese wurden, wie bereits erwähnt, vom Leipziger Ralph Niese geinkt und coloriert und haben mich wirklich umgehauen. Das ist ein phantastischer Job den er da abgeliefert hat. Knallige Farben und fette, tighte Inks. Eye Candy!!! Allein wegen dieses Artworks hat sich der Kauf des Heftes für mich gelohnt. Ralph konnte man auch in Popgun Vol.2 bestaunen und er wird sicher noch einiges in der Pipeline haben. Die Kollegen von der Checklist Comicast hatten Ralph auch für eine Episode zu Popgun Vol.2 zu Gast. Hört ruhig einmal rein, da gibt es jede Menge Infos und Gute Laune.

preview auf cbr.com
ralph niese auf deviantart.com
noble causes website



Amazing Spider-Man 587 – Marvel – Guggenheim/ Romita jr. , Janson, White

Nachdem es im letzten Heft eine kurzes Zwischenspiel gab, das uns verriet, wie *************** denn nun zu Menace wurde, geht es in diesem Heft wieder mit dem aktuellen Storyarc weiter.

Die 585 hatte meiner Meinung nach alles, was ein Spidey Heft braucht, inklusive einem interessantem Cliffhanger. Dieser ließ mich nun zwei Wochen zappeln, so dass ich Amazing naürlich auch als erstes vom Stapel zerrte. Die Story geht auf jeden Fall ordentlich weiter. Zur Erinnerung: in diesem Arc werden zwei wichtige Subplots des letzten Jahres aufgelöst, wer ist Menace und wer ist der Spider-Tracer Killer. Diese Auflösungen mögen auf den ersten Blick ein wenig enttäuschen, sind aber schlüssig. Vor allem die Spider-Tracer Killer Lösung gefällt mir sehr gut. Das ist recht originell und bietet auch noch guten Stoff für die Zukunft.


Der nächste Absatz enthält leichte SPOILER


Dennoch habe ich ein paar Probleme. Erstens: Mir erscheint es doch recht unglaubwürdig, dass Spidey die ganze Zeit im Knast und vor Gericht seine Maske aufbehalten darf. Das wird zwar kurz erklärt, trotzdem sehr unglaubwürdig. Zweitens wird eine Story aus dem AMAZING SPIDER-MAN EXTRA #1 plötzlich enorm wichtig. Ohne diese Story ( von Guggenheim und Marcos Martin) gelesen zu haben, wird man eine Szene im Gericht kaum verstehen, da diese auf ein paar Panel reduziert wenig Sinn macht. An dieser Stelle gibt es dann auch keine Fußnote mit einem Hinweis, obwohl Redakteur Wacker sonst ja sehr spendabel mit Fußnoten ist und damit oft auch nervt. Und Drittens habe ich Vin Gonzales' Partner als Spidey Freund in Erinnerung. In diesem Heft entpuppt er sich als Spidey Hasser. Entweder hab ich da ein paar Entwicklungen verschlafen oder hier ist eine unlogische Charakterwandlung geschehen.
Trotz dieser Punkte hat mir das Heft ausgesprochen gut gefallen. Zum einen werden interessante Nebencharaktere bedient. So wird zum Beispiel Betty Brant nur durch einen kleinen Kniff auf der Recapseite in das aktuelle Geschehen geholt und treffend charakterisiert, im eigentlichen Heft kommt sie gar nicht vor. Das hat mir gut gefallen. Clevere Idee. Carlie Cooper ist eine äußerst interessante Person, wie ich finde, in diesem Arc hat sie endlich mal wieder etwas mehr „screentime“. Und eben jene Szene, die mit der ASME Story verknüpft ist, holt viele Marvel Charaktere in die aktuelle ASM Continuity, nicht zuletzt Matt Murdock.
Der Twist, der dann zum Cliffhanger führt, ist ein klassischer Spidey Twist und dennoch frisch und toll zu lesen. Ich kann mit dem Heft prima leben und trotz der angesprochenen Kritik hat es mich wunderbar unterhalten.



Da ist ein gewisser John Romita jr. nicht ganz unschuldig. Was soll ich jetzt noch schreiben, was ich nicht schon über ihn geschrieben hab? Das Artwork Team mit ihm, Inker Klaus Janson und Colorist Dean White hat wieder ganze Aribeit geleistet. Romitas Pencils sind einfach große Klasse. Es fehlen zwar die tollen Splashpages, aber das gibt die Story auch nicht her. Sein butterweiches Storytelling läßt die Geschichte wie einen Film ablaufen, jede Seite ist einfach nur schön. Die Inks sind tight und die Farben runden das Ganze schön ab.

preview auf newsarama.com



The Great Unknown 1 – Image – Rouleau

Das Imprint Man of Action rockt derzeit ganz schön das Image Haus. Die letzten Wochen wurden wir ja schon mit Joe Kellys BAD DOG und Steven T. Seagles SOUL KISS beglückt, nun zieht Imprint Partner Duncan Rouleau mit THE GREAT UNKNOWN nach. Rouleau ist an dieser 5 Hefte Mini Autor und Artist in Personalunion, was mir gehörig Respekt einflösst in einer Deadline diktierten Branche. Bekannt ist Rouleau vielleicht der einen oder dem anderen durch die letzte METAL MEN Mini von DC oder von seiner Graphic Novel THE NIGHTMARIST.

The Great Unknown hatte mich vor allem vom Artwork her überzeugt. Man konnte schon vor ein paar Monaten die ersten Previews bewundern. Diese sahen fantastisch aus und so hatte dann auch der Pitch meine Aufmerksamkeit. Ein klassisches „whodunnit“ in einer Sci-Fi Story? Mit fetzigem Artwork? Gepullt!
Whodunnit und Sci-Fi wird man vergeblich suchen, wenn man Mord und Space Opera erwartet. Der Held der Serie ist Zach. Der Typ ist im Grunde ein Loser. Wohnt mit über 20 bei seinen Eltern, wird von seinem „anständigen“ Bruder ständig aus misslichen Situationen gerettet, ist mit der ganzen Gesellschaft auf Kriegsfuß und hält sich für einen der hellsten Köpfe auf diesem Planeten. So tüftelt er in der Garage des Elternhauses auch an seinen Erfindungen und hat Kistenweise seine Ideen archiviert. Jedesmal wenn er denkt, er hat eine Erfindung Patentreif und damit das nächste große Ding, bereit Millionen zu scheffeln, gibt es genau diese Erfindung im Tele Shopping oder sonstwo. Es ist, als würden seine Ideen geklaut, als würde irgendjemand seine Gedanken überwachen.

Duncan Rouleau erzählt seine Geschichte in einer charmanten Art und Weise. Das Cast ist hervorragend charakterisiert, vor allem Zach ist eine Wucht und sehr sympathisch. Gleich am Anfang schnorrt er sich ein Freigetränk dank des Refill Angebots der US Fast Food Ketten. Für diesen Trick hortet er Unmengen von Bechern der verschiedenen Ketten in seinem Auto. Den selben „Trick“ habe auch ich schon dankend angewendet und man kommt sich dabei schon ein wenig schäbig vor. Aber einen knappen Liter Dr.Pepper für umme? Ich bin dabei. Gleich danach schnorrt er sich noch eine Gratis Pizza, leider wird das nicht erklärt. Hätte mich brennend interessiert.
Das Setting der Geschichte wird schön aufgebaut und nach ein paar Seiten ist man mittendrin. Im Laufe des Heftes werden ein paar Twists ausgepackt, so dass man auf jeden Fall auch dranbleiben möchte. Beim Pacing der Ausgabe hab ich aber schon das Gefühl, Rouleau denkt schon ans Trade. Es ist nicht unbedingt für ein Einzelheft konzipiert. Das ist nicht tragisch, denn das Heft liest sich gut, aber als Trade oder „Graphic Novel“ wird es evtl. erst seine ganze Kraft entfalten.

Die Story ist ungewöhnlich und sehr interessant, aber das Artwork hat mich wirklich aus den Socken gehauen. Die Pencils sind sehr schön, modern und stylish. Es fällt mir schwer einen Vergleich zu ziehen, da sein Artwork für sich steht, aber wenn ich es vergleichen müsste, würde ich es mit Chris Bachalos Art vergleichen. Aber wie gesagt, nur die Richtung. Rouleau hat einen eigenen Stil. Und vor allem auch ein sehr klares Storytelling. Die Inks sind schön fett, damit ist das ganze sehr tight. Die Colorierung sieht auch sehr gut aus. Rouleau verwendet fast ausschließlich Blautöne. Andere Farben setzt er nur als Effekt ein. Alles in allem spektakuläres Artwork.

preview auf newsarama.com



X-Factor 40 – Marvel – David/ DeLandro, Davidson, Cox

Nach der letzten Ausgabe, die mich wirklich sprachlos gemacht hat und eines der besten Hefte der letzten Zeit war, zumindest den spektakulärsten Twist hatte, war die Erwartung an dieses Heft besonderes hoch. Wie zuletzt bittet Peter David darum, die Twists in Reviews nicht zu verraten, und wer bin ich schon, das ich diese Bitte ignorieren könnte?

Eins vorweg. Das letzt Heft wird nicht getoppt. Das ist auch nahzeu unmöglich. Mr.David führt aber gekonnt seine Geschichte fort. Nach den Ereignissen des letzten Heftes zieht Jamie Madrox alleine durch die USA und sucht einen alten Bekannten auf. John Maddox, jener Dupe, der als Priester sein eigenes Leben führt. Jamie ist ganz unten. Tiefer geht wohl kaum. Ihr denkt Matt Murdock oder Peter Parker könnten eine Selbthilfegruppe aufmachen? Nun, Jamie Madrox würde diese wohl leiten. Am Ende, wenn man denkt es kann nicht wieder Aufwärts gehen, kommt es zu einem Cliffhanger, der mich als Fan und treuer Leser der Serie wieder gierig auf das nächste Heft wartend zurücklässt.

Peter David. Mensch. Letztens hatten wir erst ein Gespräch unter Fanboys, das altgediente Autoren oft enttäuschen und ein wenig angestaubt schreiben. Peter David ist das leuchtende Gegenbeispiel. Angestaubt? Enttäuschungen? Pustekuchen. David wirkt so frisch wie ein Jungspund und ist konzeptionell und von seinen Skills aber Jahrzente an Erfahrungen schwer. Sein X-Factor ist die wohl am besten geplottete Teamserie im Haus der Ideen derzeit. Und das will was heißen! Es ist weniger die Action, Nummer 40 ist das zweite Talking Heads Heft am Stück, es ist einfach seine Gabe, messerscharf zu Charakterisieren, Subplots über 10,20, 30 Hefte zu schmieden und sein Wissen um die Continuity des MU und natürlich seiner eigenen Serie und last but not least sein schräger Humor. Humor bekommen wir in diesem Heft zwar weniger, dafür aber ein Jamie Madrox Charakterheft. Und eben diesen Cliffhanger. Dieser macht zwar auch eine Befürchtung war, die ich schon länger hatte, dennoch MUSS ich wissen wie es weiter geht und ich bin gespannt, wie Peter David die kleine Enttäuschung, die ich beim Cliffhanger empfand, zu etwas Tollem verwandelt und mich wieder einmal überzeug, das er einfach ein Autorenfuchs ist. Ich muss leider so um den Brei herum reden, wenn ich nichts Spoilern will, bin aber gespannt, was X-Factor LeserInnen zu dem Heft sagen werden.

Das Artwork von Valentine DeLandro ist ok. Es passt gut zur Story, haut mich nicht vom Hocker, ist aber auch kein Aussetzer. Es führt sauber durch die Story. Es wäre gut, wenn die Serie mal wieder einen regulären Artist hätte und ich hätte auch nichts dagegen, wenn Valentine DeLandro dieser Artist wäre. Die Colorierung von Jeromy Cox passt gut zur Stimmung des Heftes. Ich bevorzuge grundsätzlich etwas knalligere Farben, kann jetzt aber nicht sagen, dass mir die Colo nicht gefällt. Im Gegenteil.

Ich glaube nicht, das X-Factor #40 Fans der Serie entäuschen wird, auch wenn der Cliffhanger und die Bedeutung die er für den Verlauf der Serie und für die Entwicklung des Casts haben wird, sicher heiß diskutiert werden. Comic Afficinados die X-Factor nicht lesen, verpassen eine wirklich exzellente Serie! Wer sich vom X-Franchise abgeschreckt fühlt, brauch keine Berührungsängste zu haben. Bis auf das Crossover MESSIAH COMPLEX und das SECRET INVASION Crossover mit Davids SHE-HULK kann man X-Factor gut alleine lesen. Also, nachholen.

preview auf marvel.com



Spider-Man Noir 3 – Marvel – Hine, Sapolsky/ Giandomenico

Wenn man als Reviewer manchmal lückenlos eine Serie rezensiert, die sich auf einem gleichbleibend hohem Niveau bewegt, stellt sich irgendwann die Frage, was kann ich über das aktuelle Heft schreiben, was ich nicht schon über die vorigen Hefte geschrieben hab?
Spider-Man Noir ist so ein Fall. Vom ersten Heft an habe ich diese Serie genossen. Die Story fährt in dieser Ausgabe unter Volldampf auf den Showdown zu, die offenen Fäden der Story sind allesamt spannend. Das Pacing und die Entwicklung der Geschichte lassen keine Wünsche offen.

David Hine hat mit Kollege Fabrice Sapolsky eine außerordentlich gute Serie geschrieben. Es tut mir jetzt schon leid, das mit dem nächsten Heft schluss ist. Aber machmal liegt ja auch in der Kürze die Würze. Ich kann mir nicht vorstellen, das es Spider-Man Fans gibt, die sich dem Reiz von Hines und Sapolskys Mini entziehen können. Sie haben wirklich die Essenz aus dem Mythos Spider-Man destilliert und ein unglaublich dichtes, schlüssiges Werk hingelegt. In diesem Heft wird nun ein großer Twist geklärt, der seit dem ersten Heft einfach mal so da war. Und das ist so gut, so logisch, das selbst die letzten Zweifel, die ich an den Charakerisierungen des Casts hatte, weggeblasen werden. Überhaupt, diese vielen Charaktere aus dem Spidey Fundus. Die beiden Autoren haben es wirklich geschafft, viele beliebte, vertraute Charaktere in ihre Noir Vision zu holen und sie glaubwürdig und interessant in die Geschichte einzubinden. Da wirkt kein Charakter irgendwie gewollt oder auf Krampf reingeschrieben. Mich überzeugen wirklich alle und wenn ich welche herausheben muss, so sind das die Villains.

Das Artwork von Carmine Di Giandomenico passt hervorragend zu dieser Story. Ich hatte ja letztens schon erwähnt, dass er vor allem für seine Arbeit an Zeb Wells Marvel Knights Story BATTLIN' JACK MURDOCK bekannt ist. Aber ich vergaß die aktuelle Marvel Knights Mini MAGNETO TESTAMENT, ein absoluter Knüller, auch dank seines Artworks. Es ist ein sehr sauberes Artwork, aber dennoch wirkt es ein wenig dreckig. Das Storytelling ist immer klar. Seine Colorierung passt auch hervorragend und sieht auch sehr schön aus. Ich habe kein Problem damit, dass er ja irgenwie auf diese Art von Geschichten festgelegt zu sein scheint, würde ihn aber auch ganz gerne mal an einer Serie aus dem 616er sehen. Vielleicht an Daredevil, dem Punisher oder auch an ASM.

Spider-Man Noir ist für mich ein must read!!! Spätestens das Trade sollte doch jeder mal lesen, vor allem Spider-Man Fans.

preview auf marvel.com

Dienstag, 24. Februar 2009

uncanny nerds, amazing geeks, spectacular podcasts - a mighty TEAM UP!!!


Ich hatte das Vergnügen, Gast zu sein beim CHECKLIST COMICAST, einem, wie man mittlerweile sagen muss, deutschprachigen Comic Podcast, denn es gibt ja auch noch Holzauges gemütliche Comic Lounge.
Hobie und Lamond waren aber die ersten im deutschprachigen Bereich und haben mit ihrem Podcast die überschaubare Szene doch bereichert. Seit gut zwei Jahren und 33 Episoden sind sie dabei und decken mit der Themenauswahl ihrer Sendungen ein breites, interessantes Spektrum ab. Ich freue mich, und bin auch stolz wie Bolle, mich in die Reihe hochkarätiger Gäste wie Thomas Mauer, Nic Klein, Anjin Anhut, Ralf Niese, Chris Noeth und Marc-Oliver Frisch einreihen zu können. Danke für die Einladung und das Spotlight, Jungs!!!
Da fällt mir auch just die Headline einer der letzten Wochen ein: "Team-ups happened for one very simple reason.They were fun!" Und wir hatten eine Menge Spaß!

Donnerstag, 19. Februar 2009

"Man. I really need to check this internet thing out... " - Reviews 06/09



Thor 600
– Marvel – JMS,Lee, Giarusso/ Coipel, Djurdjevic, Aja u.a.














Milestone hin, anniversary her, Thor #600 ist für mich das „Heft der Woche“, obwohl ich solche Bewertungen üblicherweise nicht abgebe. Für die doch stolzen 4.99 $ bekommt man einiges geboten. Allein die Hauptsory umfasst 42 Seiten. Als Zugabe schmeißt Marvel noch eine neue Story von Stan Lee, ein Thor Mini Marvels, ein paar alte JOURNEY INTO MYSTERY Stories und eine Covergallerie drauf.

Auf der Hauptstory liegt natürlich das Augenmerk. JMS schreibt ja die Serie weiter, den Göttern sei dank. Hier serviert er uns nun den vorläufigen Höhepunkt seines bisherigen Runs und schüttelt den Status Quo seiner Serie ordentlich durch.
Lokis Intrigen führen zu einigen dramatischen Entwicklungen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine/n so intrigante/n Loki gesehen zu haben. Für mich eine der Meisterleistungen JMS' an Thor.
Loki schafft es, Bor, Vater von Odin, in „unsere“ Welt zu holen und wie könnte es anders sein, nach New York. Durch einen Zauber Lokis nimmt Bor die Realität verzerrt wahr. Diese verschrobene Wahrnehmung führt zu einem Kampf mit Thor. Und da hauen sich wirklich zwei Schwergewichte...
Der Kampf ist gut geschrieben und dessen Ende läutet die bereits erwähnten Veränderungen ein.
JMS schafft es, die redaktionelle Prämisse zu erfüllen und ein einfach zu verstehendes „Milestone“ Heft zu schreiben, das sich auch Prima zum Einstieg eignet und trotzdem seinen bisherigen Run zu einem würdigen, vorläufigen Ende zu bringen. Kein Fan der Serie wird enttäuscht sein von den Geschehnissen und Auflösungen in diesem Heft. JMS achtet seine Kontinuität. Neuleser finden aber auch ein Heft vor, das verständlich ist. Und für beide Lesergruppen gibt es ein kitzeliges Ende, das zum Weiterlesen auffordert. Was ist mehr zu verlangen?

Oliver Coipel macht Thor mehr und mehr zu „seiner“ Serie. Es ist einfach antemberaubend was der Franzose an dieser Serie abliefert. Unbestreitbar schön. Inker Mark Morales holt das Optimum aus den Pencils raus und Laura Martins Farben sind wie immer eine Wucht. Diese Team ist für mich von der Serie nicht wegzudenken und hat eine Riesenaktie an der Qualität. Eines der schönsten Artworks der Branche derzeit. In diesem Heft steuert der Berliner Marko Djurdjevic noch ein paar Interiors bei und zwar die Szenen aus der verzerrten Sicht Bors. Das ist ein toller Schachzug und fügt sich auch sehr organisch in das restliche Artwork ein. Zum Großteil sind es ganze, einzelne Seiten, ab und an aber auch einzelne Panels. Marko macht auch einen Riesenjob und die nächsten Hefte werden dann auch wieder komplett Interiors von ihm enthalten, wie schon die Hefte #7-#8.















Die Stan Lee Geschichte ist.... eben eine Stan Lee Geschichte. Es haut mich wirklich nicht vom Hocker, gibt aber auch einen Blick auf die Roots unseres Hobbys. Es wirkt antiquiert, auf einer gewissen Ebene ist es aber auch ansprechend und unterhaltsam. Hätte ich durchaus drauf verzichten können, aber nun gut. Bei einem Jubiläum kann ich damit leben. Immerhin ist es Stan Lee und Ehre wem Ehre gebührt. Das Artwork von Penciler/ Inker David Aja und Colorist Matt Hollingsworth weiß zu gefallen, sieht aber zu keiner Zeit so gut aus wie z.b. an IRON FIST.
Viel mehr nach meinem Geschmack ist da die Mini Marvels Story. Ich liebe diese kleinen Geschichtchen von Chris Giarrusso ebenso wie sein knuffiges Artwork.

Ganz verzichten können hätte ich allerdings auf die Nachdrucke von den alten JOURNEY INTO MYSTERY Sachen. Klar, Lee und Kirby sind auf jeden Fall Silver Age Legenden, aber diese Sachen zählen meiner Meinung nach nicht zu ihren Sternstunden. Die Covergallerie ist eine nette Idee, aber 100 Cover pro Seite sind dann des Guten doch zuviel und somit ist das Ganze auch recht überflüssig.

Die Hauptstory rechtfertigt aber allein schon die Anschaffung. Bei den Preisen momentan ist alleine diese ein gut gefülltes 3.99 Heft. So bekommt man die Zugabe für 1 Dollar. Und dafür ist es auch OK, nettes Beiwerk einer Milestone Issue eben, bis auf die Mini Marvels für mich aber recht uninteressant.



Tales of the TMNT 55 – Mirage – Berger/ Lawson

Jaja, Turtles! Tales of the TMNT sortiere ich unter „Guilty Pleasure“ in die Short Box. Oft traut man sich ja auch gar nicht zu sagen, dass man nach wie vor großer Fan der 4 Ninja Turtles ist. Die aktuelle Serie ist mittelmäßig. Es gab immer mal ein paar Ausnahmen. In den letzten paar Heften zog die Qualität aber spürbar an und es gab ein paar hervorragende, kleine Storys.

Das Konzept der Serie ist, One Shot artige Geschichten zu erzählen, die sich in die Kontinuität der ursprünglichen Serien einreihen und diese auch ergänzen. Problem der Serie ist, das einfach zu selten das alte Turtles Feeling aufkam. In diesem Heft ist aber das Gegenteil der Fall.
Wir bekommen Einblick in einen ganz normalen Tag im Leben der noch jugendlichen Turtles. Slice of Life im Turtles Format, wenn man so will.
Leben, Training, Freizeit. So richtiger Turtles Alltag. Das klingt nicht spannend? Ist es aber. Sehr charmant geht Berger auf die Charaktere und deren Konflikte ein. Am Ende muss man dann wegen all der Nostalgie auch ein wenig seufzen und LeserInnen, die etwas näher am Wasser gebaut sind, brauchen sich auch nicht schämen, sich eine Träne aus dem Knopfloch zu wischen.
So nah dran am ursprünglichen Charme der Turtles war lange kein Heft mehr!

Für das gute S/W Artwork und das tolle Cover zeichnet sich Jim Lawson verantwortlich. Es verbreitet auf jeden Fall gehörig 80er Jahre Indie Atmosphäre, wirkt aber nicht altbacken, ganz im Gegenteil! Das Storytelling ist gut und der etwas bizarre Humor der Turles kommt auch gut rüber.

Es ist schwer, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen, da ich mir schon Bewusst bin, dass es doch sehr speziell ist. Dennoch ist es einen Blick wert! Außer rudimentären Turtles Basiswissen braucht man auch nichts weiter mitzubringen, um mit dieser Ausgabe Spaß zu haben. Und bei 30 Storyseiten bekommt man auch einen ordentlichen Gegenwert fürs Geld. Beim diesjährigen Free Comic Book Day wird es von Mirage übrigens ein Reprint des allerersten Turtles Heftes aus dem Jahr 1984 geben. Also, Augen auf!

preview auf ninjaturtles.com



Incognito 2 – Icon – Brubaker/ Phillips, Staples

Brubakers und Phillips' neue Serie ist für mich schon jetzt eine der interessantesten, neuen Serien des noch jungen Jahres.


Der nächste Absatz enthält SPOILER


Der ehemalige Supervillain Zack Overkill beginnt Nachts als Superheld auf Streife zu gehen, um der Monotonie des Lebens im Zeugenschutzprogramm zu entkommen, vertstößt dabei aber so ziemlich gegen jede Bewährungsauflage....
In diesem Heft bekommen wir mehr von allem. Mehr Charaktere, mehr Hintergrund etc.. So erfahren wir, wen der gute Zack hinter Gitter brachte und wäre ich an Zacks Stelle, nun, ich würde nicht mehr ruhig schlafen. Nach und nach ergeben sich auch weitere Twists. Wie so oft bei Bru sind es vor allem die messerscharfen Charaktere, die das Salz in der Suppe sind. Jeder verfolgt hier seine eigenen Ziele und Zack hängt dazwischen, nicht so richtig glücklich mit seiner Situation und auch ein wenig ziellos. Deutlich wird das in einer Szene, in der Zack seine Kollegin, die ihn im Büro mit Mißachtung straft, vor einer Vergewaltigung rettet und als Dankeschön Sex bekommt. Das alleine wäre ja schon „weird“, in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes. Die Auflösung setzt dem ganzen aber die Krone auf. Die Vergewaltigung war vorgetäuscht und Teil eines Sexspiels. Der „Dankeschön Sex“ war also nur die Fortsetzung des missglückten Liebesspiels und Zack wird wieder einmal Spielball seiner Umwelt. Damit bringt Bru die Stellung seines Charakters gut auf den Punkt. Nicht er bestimmt sein handeln, sondern stets die Anderen und Zack macht wohl oder übel mit, ob er sich nun seiner Rolle bewusst ist oder nicht.

Brubakers neue Serie hat bei mir definitiv eingeschlagen. Nummer 1 wickelte mich um den Finger und Nummer zwei hat genauso leichtes Spiel. Ich liebe seinen Pulp Ansatz und seine Charaktere, die allesamt durchtrieben sind und sehr lebendig wirken. Sehr großen Eindruck macht auch der Mad Scientist, der von Phillips groß in Szene gesetzt wurde.

Überhaupt das Artwork. Sean Phillips ist der perfekte Mann für diesen Job. Das sieht alles sehr gut aus, das Storytelling ist hervorragend. Ich könnte mir keinen besseren vorstellen. Hervorheben sollte man auf jeden Fall aber auch Colorist Val Staples. Seine Colorierung ist echt der Knüller. Er schafft es auch, mit seinen Farben immer die richtige Stimmung zu erzeugen und so auch zum Storytelling beizutragen. Ganz toller Job!!!

Im Anhang gibt es dann wieder ein sehr schön zu lesendes Editorial von Brubaker und wieder einen Artikel zu einem alten Pulphelden von Jess Nevins. Diesmal ist Doc Savage an der Reihe. Der Artikel ist sehr informativ und rundet das Paket schön ab.

preview auf comicbookresources.com


Batman 686
– DC – Gaiman/ Kubert, Williams, Sinclair

Ich habe Batman R.I.P. nicht gelesen. Batman ist eine der wenigen Serien, von denen ich mir immer mal wieder die deutschen Sachen holte, das hatte dann aber auch nachgelassen, so dass ich nicht wirklich mehr auf dem Laufenden bin. Das Kreativteam Neil Gaiman/ Andy Kubert lockte mich dann aber doch hinter dem Ofen vor.

Und ich wurde auch nicht enttäuscht! Ich hatte schon etwas Schwierigkeiten der Geschichte zu folgen, aber ich hoffe doch, dass ich mit dem 2.Teil dann alles kapiere. Die Story: Schurken und Freunde von Batman treffen sich, um dem Mitternachtsdetektiv die letzte Ehre zu erweisen. Und da kommen wirklich einige. Am aufgebahrten Batman halten dann nach und nach verschiedene Bekannte Batsies eine Rede. In dieser Ausgabe sind es Catwoman und Alfred. Beide erzählen uns in verschiedenen Geschichten wie es letzlich zum Tod von Batman kam. Das war für mich dann auch ein bisschen verwirrend. Vor allem Alfred war auch recht freiherzig bei der Erwähnung der Geheimidentität. Da schwebte letzlich doch ein großes, blinkendes Fragezeichen über meinem Kopf. Ich laste das aber erstmal meiner momentanen Unkenntnis der aktuellen Batman Continuity an.

Das Artwork ist jedenfalls zum Zunge schnalzen und auch mit Grund dafür, warum das Heft schließlich in die Auswahl kam. Andy Kubert hat mich umgehauen. Ich habe den gar nicht mehr so gut in Erinnerung. Da ich sowieso wenig DC lese und auch sein Output in letzter Zeit nicht der höchste war, hab ich von ihm lange nichts mehr gesehen. Wirklich grandioses Artwork. Modern und doch mit der richtigen Note Nostalgie für diese Art von Geschichte. Butterweiches Storytelling, super detailliert. Kubert hat dabei gut recherchiert und präsentiert uns die verschiedenene Kostüme und Looks der zahlreichen Charaktere bzw. entscheidet er sich für einen prägenden Look des Casts.
Die Inks von Scot Williams sind sehr sauber und geben Kuberts Pencils ein kraftvolles Finish. Die Colorierung von Alex Sinclair hat mir auch sehr gut gefallen. Tolle Farbpallete und immer das richtige Gespür für die Szene und auch den Einsatz von „Licht“. Im Anhang bekommt man dann noch ein paar Sketche von Kubert.

Batman 686 hat mich auf jeden Fall soweit überzeugt, vorerst dranzubleiben.

preview auf myspace.com


The Wonderful Wizard of Oz 3
– Marvel – Shanower/ Young, Beaulieu


Wizard of Oz von Shanower und Young geht nun auch schon in die dritte Runde. Ein tolles Projekt hat Marvel da gestartet und wieder einmal haben die Redakteure ein goldenes Hädchen bewiesen und genau die richtigen Leute daran gesetzt.

In diesem Heft geht die Reise der 5 Gefährten dann so richtig los und es macht einfach Spaß, dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Ich bin mit dem Quellmaterial von L.Frank Baum nicht vertraut und so ist die Geschichte für mich schon neu. Klar, vor gefühlten 50 Jahren hab ich auch mal den Film gesehen, aber weder kann ich mich an den richtig gut erinnern, noch hab ich den Vergleich mit der Vorlage. Ich gehe aber mal davon aus, das Eric Shanower mit der Volage vertraut ist, denn schließlich zeichnet er sich für einige Oz Comics; Romane und Geschichten verantwortlich. Man merkt natürlich, das man ein All Ages Comic liest, dessen Vorlage in den Staaten eines der bekanntesten Kinderbücher überhaupt ist. Das ist für mich aber auch ok, denn der kleine 10 jährige Junge der in mir wohnt, freut sich sehr über Geschichten solcher Art.

Die Artbitch in mir freut sich vor allem über Skottie Young. Junge, junge. Ich verfolge die Arbeiten dieses Künstlers schon seit einiger Zeit mit wachsender Begeisterung, hier übertrifft er sich aber selbst. Das ist einfach sensationell. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, was ich an Begeisterung empfinde, wenn ich das Artwork betrachte. Und es ist auch keine Kunst der Kunst willen. Young versteht es die Geschichte zu erzählen und die Charaktere zu porträtieren und trifft gerade damit den Nagel auf den Kopf. Für mich ist er schon jetzt einer der ganz Großen und ich werde wohl auf ewig Wizard of Oz mit seiner Optik assoziieren.
Obwohl die Colorierung für meinen Geschmack ein wenig heller sein könnte, liefert Jean-Francois Beaulieu leinen tollen Job ab. Sehr schöne Farbpallete, effektiv eingesetz.

Nur mit meiner Wahl des Formats bin ich ein wenig unglücklich. The Wonderful Wizard of Oz schreit förmlich nach einem schicken HC. Und so werde ich, als Floppy Liebhaber und Wednesday Addict, in Zukunft wohl auf die Heft verzichten und auf eben dieses HC warten.

preview auf comicbookresources.com
skottie youngs blog